Ich trinke, also bin ich. Vielleicht sollten wir die Trinkkultur nicht so verherrlichen, aber: Seit einigen Jahren zirkulieren hier im Norden interessante Gerüchte über Dinge wie Mikro-Brauereien oder Wodkaproduktion. Und vielerorts geht es nicht mehr um Gerüchte, sondern um Fakten. Die Bierkultur ist bei uns voll erblüht.

Vor zwanzig Jahren buchstabierte man »Pils« in Schweden im Prinzip: »Pripps Blå«. Das war die staatseigene Brauerei – etwa so interessant wie der jährliche Besuch beim Zahnarzt. Heute findet man Mikrobrauereien in mehreren Gemeinden Schwedisch Lapplands. Ja, dass es einmal eine Brauerei auf dem Hof Tjers bei Överkalix geben würde, hätte noch vor wenigen Jahren niemand geglaubt.

Aber eines Tages fiel der Sommelière und Braumeisterin in spe Frida Andersson auf, dass der Name ihres Familienhofes sich ausspricht wie »cheers«, das englische Wort für »skål«. Ein Zeichen? Heute wird ihr Bier unter fantasieanregenden Namen im klangvollen Dialekt von Överkalix in den besten Pubs der Region verkauft. Da kann man lernen, wie ein Väintern schmeckt oder wie ein Lios Pale Ale aussieht. Oder welche Farbe ein ordentliches Stout in Överkalix hat. Frida Andersson jedenfalls weiß, dass es »kå:LswåRtt« ist, kohlschwarz.

Bierbrauen ist eine Passion. Diese Antwort bekommt man, wenn man die Besitzer der Skellefteå Bryggeri fragt, warum sie sich so engagiert haben, zuerst in Skelleftehamn und dann am Bryggarbacken in der Innenstadt. Die 1856 gegründete Dampfbrauerei war das erste Industrieunternehmen in Skellefteå. Jetzt ist auf dem Gelände wieder jede Menge los. Und das Bier ist gut. Ähnlich äußert sich Tommy Eriksson, der nach Skellefteå zurückkam und mit dem Geld, das er als Autobauer bei NASCAR verdient hatte, im Stadtteil Tuvan seine eigene Brauerei eröffnete, die Southside Brewing Company.

Bottenvikens bryggeri
bottenvikensbryggeri.se

Tjers
tjersbryggeri.se

Skellefteå bryggeri
skellefteabryggeri.se

Pite bryggeri
pitebryggeri.se

So funktioniert es bei den meisten: Aus dem persönlichen Interesse wird eine Art Berufung. Man fängt in der eigenen Küche an, sucht sich neue Lokalitäten und Zutaten und am Ende beschließt man, die Welt vom schlechten Geschmack zu erlösen. Dann bewahrheitet sich der Spruch »Ich trinke, also bin ich«. Und er wird zur Selbstverständlichkeit, wenn die Freunde Mattias Bergström und Joakim Nilsson von Bottenvikens Bryggeri erklären, warum es ihr Bier gibt:

»Unser Bier ist nicht pasteurisiert, nicht gefiltert, nicht langweilig, nicht verklemmt, nicht massenproduziert, nicht gepanscht, nicht gekünstelt und hoffentlich noch nicht ausgetrunken, damit du es genießen kannst.«

Denn darum geht es letzten Endes: Genuss.

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