Bist du neugierig, welche Pflanzen im rauen Bergklima wachsen können? Hast du dich jemals gefragt, wie dieses süße weiße Blümchen eigentlich heißt, das du auf deiner Wanderung mehrmals gesehen hast? Göran Wallin gibt dir einen kurzen Überblick über die Flora der Bergwelt Schwedisch Lapplands.

Der schwedische Schriftsteller Sten Selander schreibt in seinem Buch ‚Die schwedische Landschaft’: „Wenn du im Sommer einen Berghang hinaufgehst, wanderst du quasi im Jahresverlauf rückwärts“. Das ist in der Tat eine sehr genaue Beschreibung davon, wie du im Tal in den Hochsommer eintauchen und gleichzeitig beim Aufstieg auf einen Berggipfel den Wandel vom Frühling in eine schneebedeckte Landschaft erleben kannst.

Variationen von Vegetation und Klima

Die Bergvegetation kann in drei verschiedene Bereiche eingeteilt werden, die entsprechend der Höhenlage aufeinander folgen: Bergkiefernwald, Bergbirkenwald und Bergtundra.

In den tieferliegenden Gebieten ist die Vegetation üppiger, als in den höheren Lagen. Der Gletscher-Hahnenfuß (Ranunculus glacialis) ist eine Bergpflanze, die zwischen Felsen in Höhenlagen, vorzugsweise auf 1000 m. ü. M. (Meter über dem Meer), einem sehr kargem Biotop, wächst. Es gibt jedoch Ausnahmen. So findet man in Tarfala, einer hochalpinen Gegend im Kebnekaise Gebirgsmassiv, Moosheide (Harrimanella hypnoides) auf dem Moränenhügel nahe dem Kebnekaise-Gletscher. Moosheide wächst normalerweise in sehr viel tieferliegenden Bereichen der Bergwelt.

Gebirge sind eine raue und exponierte Umgebung für jegliches wachsende Leben. Ein wichtiger Faktor für die Bergflora ist die Höhenlage und wie weit im Norden sich der Standort befindet. Die Nähe zum Meer oder anderen großen Wasserflächen hat in den Bergen, ebenso wie an anderen Orten, einen großen Einfluss auf das Klima. Gegenden mit besonders kalkhaltigem Grundgestein sind besonders günstig und haben eine größere Vegetationsvielfalt. Das Klima der Bergwelt ist durchgehend sehr stabil. Es gibt keine plötzlichen Veränderungen und die Pflanzen konnten sich so im Laufe der Zeit auf vielfältige Weise entwickeln.

Die Wachstumsperiode im nördlichen Teil des Bergmassivs ist sehr kurz, in den tieferen Lagen der Bergtundra dauert sie von Mitte Juni bis Anfang September. In den Bereichen über 1000 m. ü. M. erstreckt sich die Wachstumsphase von Anfang Juli bis Mitte August – also lediglich fünf Wochen. Aber nicht nur die Höhenlage beeinflusst das Sommerklima in den Bergen, auch die Dauer der Schneebedeckung hat große Auswirkungen. Wenn der Winter schneereich und der Frühling kalt ist, bleibt der Vegetation eine kürzere Wachstumsperiode. Viele der Gebirgspflanzen sind normalerweise kleiner und es kommt häufig vor, dass sie alternative Wachstumsmuster wie Bögen, Teppiche oder Büschel bilden, um sich selbst vor Wind und Frost zu schützen. Sie verfügen über andere Eigenschaften, wie zum Beispiel feiner Behaarung, um die Verdunstungsrate zu verringern. Außerdem haben sie für gewöhnlich ein sehr stark ausgeprägtes Wurzelsystem.

Hier sind ein paar häufig vorkommende sowie etwas seltenere Bergpflanzen:

Weiße Silberwurz (Dryas octopetala)

Weiße Silberwurz (Dryas octopetala)

Die weiße Silberwurz ist ein flachwachsender Strauch, der einen Teppich mit einer Wuchshöhe von etwa 10 Zentimetern bildet. Die Blätter sehen aus wie Eichenlaub in Miniatur, haben aber eine lederartige Textur, sind wintergrün und an der Unterseite behaart. Sie blüht im Juni-Juli mit großen weißen Blüten, die einzeln aus den Blattachseln wachsen. Die Blüte hat normalerweise acht Kronblätter. Die weiße Silberwurz erkennt man an den winzigen, eichenlaubähnlichen Blättern, den großen Blüten und dem behaarten Fruchtstand. Sie kann kaum mit anderen Pflanzen verwechselt werden.

Die weiße Silberwurz kommt im Hochgebirge häufig vor. Sie bevorzugt kalkhaltigen Untergrund und hat dem Vegetationstyp Dryas Heide den Namen gegeben, welcher auch Heimat vieler seltener Bergpflanzen ist. Die weiße Silberwurz war eine der ersten Pflanzen, die sich nach der Eiszeit in Schweden ansiedelten.

Schnee-Enzian (Gentiana nivalis)

Schnee-Enzian (Gentiana nivalis)

Der Schnee-Enzian ist ein flachwachsendes, ein- bis zweijähriges Kraut. Die Blätter sind eiförmig stumpf und sind einander gegenüberliegend am Stiel angeordnet. Er blüht im Juli-August mit wunderschönen, tiefblauen Blüten, die sich nur bei Sonnenschein vollständig öffnen. Die Kronblätter sind aneinander gefügt, mit fünf Streifen in dunklerer Schattierung. Auch wenn er in voller Blüte sehr auffällig ist, übersieht man ihn leicht, wenn die Blüten geschlossen sind. Der Schnee-Enzian wächst üblicherweise auf kalkhaltigen Böden im Gebirge, auf Dryas Heiden, offenem Rasen und steinigem Untergrund. Er ist recht verbreitet und wird manchmal auch in den Waldflächen unterhalb der Bergzüge gefunden.

Stängelloses Leimkraut (Silene acaulis)

Stängelloses Leimkraut (Silene acaulis)

Das Stängellose Leimkraut ist ein mehrjähriges, wintergrünes, stark büscheliges Kraut. Die Stiele sind nur wenige Zentimeter lang. Die Blätter sehen aus wie Dolche, kaum einen Zentimeter lang, hellgrün und am Rand bewimpert. Das Stängellose Leimkraut blüht im Juli-August. Die Blüten wachsen einzeln an kurzen Stängeln, die beinahe in den Büscheln verschwinden. Die Kronblätter haben eine kleine Kerbe am Rand und sind Rosa (manchmal auch weiß). Diese Spezies ist eine zweihäusige Pflanze, das heißt es gibt sowohl männliche als auch weibliche Exemplare. Im Laufe der Zeit bildet das Stängellose Leimkraut große, flachwachsende und blütenreiche Büschel, die ihm seine markante Erscheinung verleihen. Die Pflanze ist durch alle Gebirgslagen hinweg verbreitet, auch wenn sie kalkhaltige Böden bevorzugt.

Lappland Alpenrose (Rhododendron lapponicum)

Lappland Alpenrose (Rhododendron lapponicum)

Die Lappland Alpenrose ist ein flachwachsender Busch mit elliptischen Blättern und rötlich-violetten Blüten. Sie ist wintergrün und erreicht eine maximale Wuchshöhe von etwa zehn Zentimetern, meist aber nur vier bis fünf Zentimeter. Die Zweige sind verästelt und knorrig, mit grauer, weicher Rinde. Die Pflanze blüht im Juni, wobei immer ein paar Blüten zusammen an kurzen, rötlichen Stielen wachsen. Sie wächst auf Dryas Heiden mit kalkhaltigem Untergrund. In den nördlichsten Teilen der Gebirgsregionen ist sie seltener anzutreffen.

Alpen-Fettkraut (Pinguicula alpina)

Das Alpen-Fettkraut ist ein flachwachsendes Kraut mit bogenförmigen Blättern an der Stielbasis und einzeln stehenden, weißen Blüten am zentimeterlangen, beinahe kahlen Stiel. Die Blätter sind mindestens zwei Zentimeter lang, oft bräunlich grün mit leicht nach innen gerollten Rändern. Die Pflanze ist wie seine Verwandten fleischfressend und die Oberseite der Blätter bedeckt mit Drüsen, die ein Fangsekret produzieren, an dem Insekten und andere kleine Tierchen haften bleiben.

Das Alpen-Fettkraut blüht im Juni-Juli. Die weißen zygomorphen Blüten haben einen kurzen, gelblich-grünen Sporn und bestehen aus einer zweilappigen Oberlippe und einer dreilappigen Unterlippe mit gelben Punkten. Am weitesten verbreitet ist sie in den nördlichsten Gebirgsregionen, wo sie auf feuchten, kalkhaltigen Böden wächst. Interessanterweise findet man sie aber auch auf der südschwedischen Insel Gotland, deren Boden natürlich kalkhaltig ist.

Gletscher Hahnenfuß (Ranunculus glacialis)

Der Gletscher Hahnenfuß ist ein mehrjähriges, flachwachsendes, bis zu zwanzig Zentimeter hohes, kahles und leicht fleischiges Kraut mit weißen Blüten. Die Stiele und Blätter besitzen eine rötliche Farbe. Die Blätter sind stark lappig. Blütezeit ist im Juli-August, mit großen, einzeln wachsenden Blüten, von denen manchmal ein paar zusammenwachsen. Die Kronblätter sind breit, anfangs weiß, dann rosa und schließlich dreckig rot-braun. Der Gletscher Hahnenfuß wächst nahe an dauerhaften Schneeflecken und anderen spärlich bewachsenen, feuchten Gebieten in Hochlagen.

Diapensia lapponica

Diapensia lapponica

Diapensia lapponica ist ein wintergrünes, flachwachsendes, grob büscheliges Kraut oder ein kissenähnlicher Busch, der eine Wuchshöhe von ein paar Zentimetern erreicht. Die Blätter sind schmal eierförmig, hart und leicht gebogen mit leuchtend dunkelgrüner oder sogar rötlich-brauner Farbe. Blütezeit ist im Juni-Juli, die Blüten sind etwa einen Zentimeter breit mit weißen, stumpfen Kronblättern. Diapensia lapponica wächst auf trockenem, offenen, steinigen Grund von Gebirgsheiden.

Gegenblättriger Steinbrech (Saxifraga oppositifolia)

Gegenblättriger Steinbrech (Saxifraga oppositifolia)

Der Gegenblättrige Steinbrech ist ein mehrjähriges, kriechendes, wintergrünes Kraut, das Teppiche oder Kissen bildet. Die liegenden Stiele besitzen dicht aneinander wachsende, in Kreuzstruktur gegenständig stehende Blätter. Die Blätter sind klein und lanzettlich mit behaarten Rändern. Der Gegenblättrige Steinbrech beginnt sehr zeitig im Frühling zu blühen, oftmals direkt nach der Schneeschmelze und blüht bis in den Sommer hinein. Die Blüten sind rötlich-lila und im Vergleich zur Pflanze recht groß. Sie wächst überall im Gebirge, für gewöhnlich in feuchter Erde von Spalten und neben Schneeflecken.

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