Eine Schlittenhundefahrt durch endloses Weiß – das kann in vielfacher Weise als Synonym für ein Winterabenteuer in Schwedisch-Lappland stehen. Håkan Stenlund hat mit dem Unternehmen ‚Erlebnis Wildnis’ im Vindefjäll Naturreservat eine Tour unternommen. Und folgte so in gewisser Hinsicht auf den Spuren von Jack London.

„Und einen weiteren Winter wanderten sie durch Gegenden, in die seit Jahren kein Mensch seinen Fuß gesetzt hatte. Einmal gelangten sie auf einen alten Weg, den man durch den Wald geschlagen hatte, und plötzlich war es, als wäre die verlassene Hütte sehr nahe. Doch der Weg hatte weder Anfang noch Ende, und es schien wie ein Rätsel…“ Jack London

Unsere Tour beginnt im nördlichen Teil von Ammarnäs. Es geht entlang des Weges, der Sie im Sommer ins Ammarfjäll hinaufbringt und vorbei am Rentiergehege von Bijergenas, wo der Kungsleden seinen Anfang nimmt. Ausgerechnet heute wurde der Sommerweg nicht geräumt und anstatt zu gehen, stehen wir auf Schlitten hinter einem Hundegespann. Es ist still. Dröhnend still. Man hört nur das schleifende Geräusch des Schlittens, der durch den Schnee gleitet und das Hecheln der Hunde, als wir Höbäcken passieren. Vor dreißig Minuten aber, als wir unsere Hunde anschirrten, klang das Ganze noch völlig anders. Vierzig energiegeladene Hunde, die einfach nur laufen wollten. Vierzig Hunde, die all diese Energie nur durch Bellen, Heulen und gegenseitiges Raufen loswerden konnten. Das ist in gewisser Hinsicht eben der Preis dafür, dass man sie an einen Schlitten anschirren kann. Frustration. Aber sobald wir die Bremsen gelöst und uns in Bewegung gesetzt haben, wird alles still.

“Die Welt, die er vor kurzem verlassen hatte … schien ihm sehr fern… die Erinnerungen an Marktplätze und Galerien und belebte Hauptstraßen… an Männer und Frauen, die er gekannt hatte, – sie alle waren blasse Erinnerungen an ein Leben, das er einst gelebt hatte… auf einem anderen Planeten.” Jack London

Diese Tour – mit dem Hundeschlitten hinein ins Vindelfjäll Naturreservat, zusammen mit Guide Matthias Schnyder – ist wahrlich eine Reise in eine andere Welt. Hinter Höbäcken endet das Mobilfunknetz. Ihre Aktualisierungen auf Instagram werden nun wohl oder übel warten müssen. Stattdessen sollten Sie sich auf das konzentrieren, was gerade wirklich passiert. Vertiefen Sie sich in das Erlebnis.

Wir sind auf dem Weg nach Vindelkroken, entlang des zugefrorenen Flusses Vindelälven. Wir werden unsere erste Nacht in Dalovardo verbringen und dann weiter bis zur norwegischen Grenze ziehen, zur Sommersiedlung des Samendorfes Gran. Dort warten bereits Ingrid und Per Nils Pilto auf uns. Ingrid, die übrigens auch Teil von Per Morbergs Buch „Food Travels“ ist, kann als wahre Hüterin der spannenden samischen Esskultur bezeichnet werden.

“Wie ich gesagt habe, so bewegten wir uns durch den Wald, bis der Geruch des Lagerfeuers uns in die Nase stieg”. Jack London

Unser Guide Matthias Schnyder stammt aus der Schweiz, lebt aber bereits seit vielen Jahren mit seiner Familie in Sorsele. Als Matthias und seine Frau Barblina nach einem Ort suchten, an dem sie ihr Unternehmen aufbauen konnten, wollte er eigentlich an den Yukon ziehen, in die Heimat der Hundeschlittenfahrt. Doch Barblina fand Schwedisch-Lappland einfach besser. Für die Hunde eignete sich hier alles ebenso gut, das gesellschaftliche Leben aber war einfacher zu gestalten und auch die Kunden in Europa waren näher. Heute veranstaltet Matthias von Dezember bis in den Mai hinein Touren. Er liebt seine Hunde, seine Wildnis und sein Leben.

Wir wiederum lieben das Erlebnis, das uns hier geboten wird. Und als wir am nächsten Tag in Vindelkroken ankommen, wir es sogar noch besser. Per Nils und Ingrid haben das Abendessen für uns zubereitet. Es gibt Saibling, gegrillt auf ihrem knisternden Holzofen. Frisch gefangene Schneehühner hängen bereits im Flur – die werden morgen zu Abend serviert. Im Laufe der Woche wird es noch gebeiztes Rentierfilet geben, Würstchen aus geräuchertem Rentierhack (Gurpi), geräuchertes Rentierfleisch (Souvas), Blut-Pfannkuchen, Knochenmark und einen deftigen, traditionellen Rentiereintopf.

Hintergrundinformationen
Sie erreichen Matthias Schnyder unter www.outdoor-ticket.com.

“Es hatte seit vielen Tagen nicht mehr geschneit, und die Schlitten glitten so leicht über die verdichtete Yukon-Spur, als wäre es Glatteis… Ich würde mir wünschen, dass Ihr mitkommt”. Jack London

Leider geht jede Reise einmal zu Ende. Auch diese hier. Bald werden wir uns auf den Rückweg machen, zurück zu dem, was wir für gewöhnlich als Zivilisation bezeichnen. Ich vermute allerdings, dass keiner von uns wirklich dorthin zurück möchte. Wir haben uns an das einfache Leben gewöhnt. Kein Handynetz – nur unkomplizierte Aufgaben, wie Schnee holen und Wasser für die Hunde schmelzen. Wie das Füttern der Hunde, bevor wir selbst etwas essen. Die Hunde bedeuten ‚alles’ – oder haben zumindest Vorrang, genau so, wie es auch damals zu Jack Londons Zeiten schon gewesen ist. Es gibt so viele Arten, ein Hundegespann zu erleben, aber durch wegloses Gebiet zu reisen, bei den Samen Ingrid und Per Nils zu wohnen, die in aller Einfachheit wahrlich etwas Spektakuläres bieten, und der geringe Schneemobil-Verkehr dieser Gegend – all das macht die Tour noch außergewöhnlicher.

Mit Hunden im Vindelfjäll zu reisen ist in der Tat etwas “Neues“. Früher sind Samen und Siedler mit Langlaufskiern unterwegs gewesen, den Rentierherden oder Gänseschwärmen folgend. Dann kamen Traktor, Auto und Schneemobil. Heute jedoch reisen wir mit dem Hundeschlitten. Es fühlt sich so an, als würde es hierhin gehören. Es ist natürlich, echt. Es gibt viele Unternehmen, die in Schwedisch-Lappland Hundeschlittentouren vom Feinsten anbieten – inklusive Erlebnissen der Spitzenklasse. Matthias ist natürlich einer von ihnen, jedoch gibt es allein in Sorsele noch drei weitere Veranstalter. Und auch sie bieten Abenteuer, die ebenso großartig sind wie jenes, das wir gerade erleben durften.

Alle Zitate stammen aus Jack Londons ”Wolfsblut” und “Der Ruf der Wildnis”.

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