In Schweden lieben wir unseren Kaffee und dieser sogenannte Kochkaffee (grob gemahlen und in einer Pfanne aufgekocht) ist auf vielerlei Weise das Nationalgetränk Schwedisch Lapplands. Vorzugsweise serviert mit dem gesamten Beilagensortiment: Kaffeekäse, Kaffeefleisch, getrocknetes Rentierfleisch und Rentierzunge.

Mitten auf dem Dorfplatz, nur einen Steinwurf vom Silbermuseum entfernt, findest du Arjeplogs Vilt & Kafe.

Tritt ein und erlebe Kaffeegenuss der etwas anderen Art – und gleichzeitig etwas für Schwedisch Lappland doch sehr Traditionelles. Bestell dir einen Kaffetår und du wirst die Art von Kaffee bekommen, wie wir ihn seit hunderten von Jahren in Sápmi trinken. Die Cafébesitzer Helena und Johnny Johansson betrieben viele Jahre lang einen Laden für Wildfleisch in Arjeplog, träumten aber davon, ihr Unternehmen durch ein Café zu erweitern. Da sich ihr Geschäft in der Drottninggatan für ein Café aber nicht eignete, warteten sie ab. Vor ein paar Jahren schließlich wurden die alten Caféräumlichkeiten auf dem Dorfplatz verfügbar und sie sahen ihre Chance gekommen.
— Mit der Entscheidung, es zu versuchen, beschlossen wir auch, es auf unsere eigene Art und Weise zu tun, erzählt mir Helena, als ich ins Café komme und einen Kaffetår bestelle.

Helena und Johnny Johansson.

Helena und Johnny wollten in ihrem Café natürlich eine ebensolche Auswahl wie in ihrem Laden für Wildfleisch anbieten. Eine Möglichkeit hierfür war es, den Gästen die Möglichkeit zu geben, all die leckeren Produkte probieren zu können. Doch die beiden wollten darüber hinaus die alten Traditionen am Leben erhalten. Ihre Lebensmittelphilosophie spiegelt sich auch in den Namen einiger ihrer Sandwiches wider – es muss stets ordentlich gemacht und echt sein. Wie wäre es mit einem Sandwich namens Volle Kraft Voraus, Hungrig auf See, dem Rentierbullen oder der Elchjagd-Flinte? Man muss wohl gar nicht erst erwähnen, dass es sich hier keineswegs um kleine Portionen handelt. Helen und Johnny servieren natürlich den traditionellen Kochkaffee. Wenn Sie aber die klassische Kaffeekultur der Arktis so richtig erleben wollen, so erhalten sie auch diese eine, sehr besondere Tasse Kaffee, die wir zuvor erwähnten: den Kaffetår.

Kochkaffee zum Nachfüllen, serviert mit getrocknetem Rentierfleisch und Kaffeefleisch, Rentierzunge und Kaffeekäse. Das sind die klassischen arktischen Kaffee-Beilagen. Ich selbst muss nicht immer getrocknetes Rentierfleisch im Kaffee haben. Es ist etwas zu mager, fast immer etwas zu salzig und leicht geräuchert. Aber die anderen drei Beilagen liebe ich! Gebratenes Kaffeefleisch, am besten mit ein bisschen Fett, saugt die heiße Flüssigkeit auf und hinterlässt dabei eine ölige Schicht auf der Oberfläche, wenn das Fett schmilzt – ein echter Lebensretter an einem kühlen Herbsttag. Rentierzunge ist natürlich immer lecker. Sie ist fetter und zarter als andere Zungen. Elchzunge beispielsweise muss man stundenlang kochen, Rentierzunge aber ist quasi fertig, sobald sie durchgegart ist. Rentierzunge ist im Übrigen auch ein Klassiker auf dem Weihnachtsbüffet. In einem Kaffetår von Arjeplogs Vilt & Kafe erwärmt sich das Fett der Zunge und schmilzt wunderbar auf dem Gaumen.

Kaffeekäse bekommt eine wunderbar quietschende Textur beim Erweichen in Ihrem Kaffee.

Auch Kaffeekäse ist nichts Ungewöhnliches. Aus Rohmilch wird ein dem Mozzarella ähnlicher Käse hergestellt. Manche frittieren oder grillen ihn, Helena und Johnny verkaufen ihn im Ofen gebacken. Ich bevorzuge frischen Kaffeekäse. Er schmeckt nicht sehr viel anders als normaler Mozzarella, eignet sich aber gut, um die umgebenden Aromen aufzusaugen. Ob nun frittiert oder frisch, so sind seine bemerkenswerte Konsistenz und das quietschende Geräusch beim Kauen weitere besondere Merkmale. Kaffeekäse in einer Tasse über dem offenen Feuer gekochten Kaffees – das ist für viele der Inbegriff von Schwedisch Lappland!

Nachdem ich zwei Mal nachgefüllt habe, stöbere ich etwas durch den Laden für Wildfleisch. Ich kaufe getrocknetes Rentierfleisch – das ich zwar nicht im Kaffee, aber einfach so oder manchmal als Snack mit einem Glas Whisky sehr gerne mag. Auch ein Kaffeekäse findet seinen Weg in meinen Einkaufskorb. Ich habe noch ein paar Rippchen vom Elchkalb zuhause und kann mir mein eigenes Kaffeefleisch zubereiten. Aber wo sind die Rentierzungen?
— Du hast echt Glück! Da sie gerade schlachten, haben wir erst gestern vier Zungen bekommen, meint Helena.
— Okay, Ich nehme alles. Bald ist Weihnachten und kein Weihnachtsbüffet ist ohne Rentierzunge komplett
— Sie schmecken wirklich sehr gut.

Dann fahre ich nach Hause. Am Abend noch koche ich die Zunge und bereite mir mein eigenes Kaffeefleisch zu. Wenn du es selbst auch einmal versuchen willst, so möchte ich dir in Bezug auf die Rentierzunge einen Rat geben: Iss niemals die Zungenspitze! Denn das ist gemäß den Sagen der Sámi verboten! Solltest du es dennoch tun, so fängst du wahrscheinlich an, zu lügen.

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