Die häufigste Art und Weise, den Königspfad (Kungsleden) zu erleben, ist in gemütlichem Tempo zu Fuß oder auf Skiern. Es gibt aber auch andere Möglichkeiten – komm mit auf eine schnellere Reise durch die malerischen Berge Schwedisch Lapplands! Krissy, Luke und Fredrik nehmen die Herausforderung an und laufen eine Woche entlang dieses bekannten Wanderweges.

Krissy Moehl, Luke Nelson und Fredrik Marmsater haben den Auftrag, ihre Erlebnisse für das Magazin Trail Runner und die Outdoorbekleidung sowie Reiseausrüstung herstellende Firma Patagonia zu dokumentieren. Sie werden von Vakkotavare über die Kebnekaise Bergstation nach Abisko laufen. Fredrik ist ein schwedischer Fotograf, der in Boulder, USA lebt. Krissy und Luke gehören zu den besten Trailrunnern der Welt. Dies hier ist ihr Reisebericht.

Krissy´s erster Bericht vom Pfad

Nach zwei spektakulären Tagen auf dem Pfad wurden wir am Kebnekaise herzlich empfangen. Göran von ‚Schwedisch Lappland’ hat uns freundlich in Kiruna aufgenommen und zu unserem Ausgangspunkt in Vakkotavare gebracht. Es bestanden durchaus Zweifel, als wir unsere ersten paar Schritte entlang des Kungsleden liefen. Es hatten sich so viele Erwartungen bis zu diesem Moment aufgebaut und jetzt würden wir also tatsächlich in Schweden laufen! Jeder Schritt erfüllt uns aufs Neue mit Staunen und Verblüffung über die Schönheit, die uns umgibt und geradezu verschlingt. Die Landschaft ist einfach gewaltig, mit ihren Berggipfeln, abgeschliffen von den einstigen Gletschern, die sich vor Tausenden von Jahren hier hindurch gegraben haben.

Kräftige Blaubeersträucher, Moos und struppiges „Reisig“ säumen den Weg und bedecken die Landschaft so weit das Auge reicht. Sie verleihen ihr Farbe, Struktur und Tiefe. Der Pfad bleibt überraschend steinig und macht es erforderlich, auf jeden Schritt zu achten, während man von Stein zu Stein oder auf die Erde dazwischen springt. Man wird von den roten Blättern der Blaubeerpflanzen, die in jeglichem Licht erstrahlen, leicht zu einer Pause verleitet. Unsere Finger werden ganz fleckig, als wir anhalten, um die perfekten blauen Kügelchen zu naschen. Die einheimischen, aber für uns unbekannten Preiselbeeren bedecken ebenso die Landschaft und bieten einen einfachen Geschmack, der aber von Zucker unterstrichen wird, wenn sie zu Marmelade, wie wir sie in Stockholm probiert hatten, verarbeitet werden.

Trail Running ist eine großartige Möglichkeit, den Kungsleden zu erleben. Beladen mit minimalen Rucksäcken erlaubt uns die leichtere Ladung und schnelle Bewegungsfreiheit, rasch Strecke zu machen, Zeit für Pausen zu haben und die Möglichkeit zu ergreifen, die Weite auch wirklich in uns aufzusaugen. Alles in unseren Rucksäcken hat einen spezifischen Nutzen und es befindet sich nichts Überflüssiges darin, was zusätzliches Gewicht verursachen könnte. Man kann mit guter Ausrüstung leicht unterwegs sein, jedoch ist auch die Möglichkeit, sich regelmäßig mit einem ausreichenden Lebensmittelangebot der STF-Hütten versorgen zu können, durchaus hilfreich. Diese zahlreichen Hütten bieten auch eine Küche sowie Etagenbetten, für die man nur einen Innenschlafsack braucht, um das vorhandene Kissen sowie die Decke zu ergänzen. Ein satter und ausgeruhter Läufer beginnt jeden Tag voller Spannung auf das nächste Abenteuer.

Zusätzlich zur Möglichkeit, Stück für Stück den Kungsleden zu laufen, gibt es auch nebenher unzählige Abenteuer zu entdecken. An unserem zweiten Tag verließen wir das Haupt-Tal, um den Kebnekaise und seinen Gipfel, den höchsten Berg Schwedens, zu erkunden. Das wird je nach Wetterlage nun wohl den nächsten Morgen einnehmen. Beim Blick auf die detaillierte Karte werden wir auf jeden Fall für ein paar weitere Abstecher zu haben sein.

Zweiter und abschließender Bericht vom Kungsleden

Zurückhaltung und Spannung lagen in der Luft, als wir drei am Sonntagnachmittag das Kungsleden-Tor passierten. Unser kürzester Lauftag war geprägt von leichten Beinen, schnellen Füßen und dem besten Wetter seit unserem Start vor sieben Tagen. Mit frohem Sinn und leichtem Körper bewegten wir uns gut und hakten die ersten 5 Meilen unseres Tages problemlos ab, bevor wir bemerkten, dass wir unsere letzten Momente auf dem Weg einfach so davonsprinteten. Unsere Beine waren in den sieben Tagen, in denen wir über Steine getanzt, durch Bäche gewatet, über Pässe gewandert sind und ein paar Abenteuer abseits des Weges genossen hatten, immer stärker geworden. Die gleichmäßigen, einfachen letzten Meilen nach Abisko brachten uns schnell vorwärts, um unser Ziel zu erreichen. Aber ein gewisser Widerwille überfiel uns und wir verlangten nach einer Pause.

Eine Pause, um die Stille einzusaugen. Eine Pause, um die völlige Abschottung von der Welt, aber doch die tiefe Verbundenheit mit dem Moment zu genießen. Eine Pause, um in dem törichten, albernen, sorgenfreien Zustand zu verharren, in den man leicht eintritt, wenn man durch wilde Landschaften hüpft oder am Ufer eines Flusses steht. Atem. Gegenwart. Dasein. Die alte und knorrige Fjällbjörk (Bergbirke) zeigt ihre Herbstfarben, während sie Seen und Flüsse einrahmt, die in den Tälern dahinströmen. Sie erinnert mich daran, dass die letzten Schritte dieser Reise auch die Jahreszeitenwende vom Sommer zum Herbst und somit das Ende einer weiteren Saison des Laufens sowie Entdeckens kennzeichnen. Ein Jahr des Reisens, unter anderem ins indische Dholavira, um am The Rann teilzunehmen, ins spanische La Palma, um auf die Vulkane zu laufen, nach Juneau, um Alaskas schneebedeckte Gipfel zu erklimmen, in Kaliforniens hohe Sierra für den John Muir Trail und jetzt nach Abisko, um den Kungsleden in Schweden zu vollenden.

Ein Jahr in meiner 14-jährigen Karriere, das mich einmal um den ganzen Globus geführt hat, um die Welt mit den Augen eines Läufers zu erleben. Mit dem neuen Stempel im Reisepass bei der Landung in Stockholm, öffnete mir der Kungsleden schließlich die Augen für all das, was Schweden in Bezug auf mehrtägiges Laufen zu bieten hat und wie zugänglich großartiges Trail Running am Polarkreis doch sein kann.

Nachdem wir unsere Tour am Sonntagmorgen in Vakkotavare gestartet haben, kamen wir am Dienstagnachmittag an der Kebnekaise Bergstation an. Wir relaxten, luden unsere Batterien auf und nutzen die Möglichkeit, Freunde und Familie in der Heimat zu kontaktieren, Social Media Updates in unseren ausgedehnten Netzwerken zu posten und vom ersten Drittel unserer Kungsleden-Erlebnisses zu berichten, bevor wir für unsere letzten vier Tage auf dem Pfad wieder in die Wildnis verschwanden. Der Wecker klingelte am Mittwoch schon sehr früh, da wir dem sich über dem Gipfel des Kebnekaise auftürmenden Wetters zu entkommen versuchten. Trotz der gemeldeten Windstärken und des angekündigten Regens hofften wir auf eine Sturmpause, um Schwedens höchsten Gipfel zu erklimmen. Wir wurden leider von den Windböen und der Nässe etwa 300 Meter unterhalb des Gipfels wieder zum Abstieg gezwungen. Mit minimaler Ausrüstung zu reisen, verringert den Spielraum für Fehler und unsere kollektives Gruppenerlebnis resultierte in der schweren Entscheidung, umzudrehen und zur Behaglichkeit der Kebnekaise-Hütte – einschließlich einer Sauna und dem fantastischen Essen von Elsas´s Kitchen – zurückzukehren.

In dieser Nacht, als wir mit unseren Fingern die Karte studierten, entdeckten wir, dass die Topographie auch einen markierten, aber nur sehr spärlich gepunkteten Weg beinhaltete. Dies brachte uns auf die Idee, den Kungsleden abseits der Route zu laufen – quasi „wähle dein eigenes Abenteuer“. Der Kungsleden wiederum dient uns als eine große Durchgangsstraße und Versorgungsstützpunkt. Wir erstellen also eine Vielzahl von Schleifen und Umwegen, abweichend vom eigentlichen Hauptweg, kehrten aber immer wieder auf den Pfad zurück – wegen des Essens, der gemütlichen Betten und einer heißen Sauna oftmals in der Nähe einer fjällstuga (Hütte).

Das Terrain variierte je nach dem von uns gewählten Abenteuer, von mit Blau- und Preiselbeer-Reisig bedeckter Tundra über große Geröll- und Schneefelder, niedrige Birkenwäldchen bis hin zu hochalpinen Gletschern oder Seen. Die Möglichkeiten des viel begangenen, sicheren Kungsleden scheinen endlos. Man kann sich auf den ausgetretenen Pfad verlassen, der in den Tälern mit einem roten X markiert ist. Die Routen abseits des Weges sind abenteuerlicher und einsamer, sie bieten entlegene Gipfel, Gletscher und Gebirgsrücken.

Get to know the authors/runners
Krissy Moehl
www.krissymoehl.com
facebook: /krissy.moehl
twitter: @krissymoehl
instagram: krissymoehl
Fredrik Marmsater
www.fredrikmarmsater.com
facebook:/fredrikmarmsaterphotography
twitter: @FredMarmsater
instagram: fmarmsaterphoto
Luke Nelson
challengeofbalance.com
facebook: /luke.nelson.568
twitter: @slukenelson
instagram: Slukenelson

Unsere letzten Tage hielten eine Auswahl an Herbstwetter, anspruchsvollen Routen und lustigen Momenten bereit, als wir uns so durch die Tage und Meilen hinweg bewegten. Unser Widerwille, den Pfad in Abisko zu verlassen, war vor allem dem einfachen Lebensstil zu schulden, den die Zeit ‚on Tour’ mit sich bringt. Es ist schwer, eine derart schöne Landschaft, die langen Tage des Umherstreifens durch die Berge und die gemütlichen, einfachen Abende hinter sich zu lassen, die man mit Kochen in den Hütten, dem Errichten eines Lagerfeuers zum Trocknen der Kleidung und tiefem Schlaf verbringt, um sich für den nächsten Lauftag zu erholen. Wir lassen auf unserem langen Flug zurück in die Staaten das Abenteuer noch einmal Revue passieren und freuen uns darauf, mehr Bilder und Erzählungen durch unsere persönlichen sozialen Netzwerke sowie einem veröffentlichen Beitrag im Trail Runner Magazine mit anderen zu teilen.

Wir danken Schwedisch Lappland, STF, Flora, Clif Bar und Trail Butter für die Unterstützung bei diesem Abenteuer.

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