Als Agata Mleczko zum ersten Mal vom Kungsleden (Königspfad) hörte, wusste sie sofort, dass sie ihn unbedingt gehen musste. Eine Erfahrung, die schließlich ihr Leben verändern sollte.

Als ich zum ersten Mal vom Kungsleden gehört habe, wusste ich sofort, dass ich ihn eines Tages gehen werde. Die Beschreibung und die Fotos im Internet weckten nicht nur mein Interesse, sondern regten auch meine Fantasie an. Ein 400 Kilometer langer Wanderweg erschien mir als der perfekte Urlaubsort. Ich stellte mir vor, wie ich auf den Pfaden in dieser endlosen Wildnis wanderte und das wundervolle Wetter genoss.

An der ganzen Sache gab es nur einen Haken… Ich war mit meinem allgemeinen körperlichen Zustand zur damaligen Zeit weit von einer guten Form entfernt und die Bilderbuchvorstellung wurde umgehend von Erschöpfung, verschwitzter Stirn und Rückenschmerzen getrübt. Mir war klar, um den Pfad zu wandern, musste ich mit dem Trainieren anfangen. Fast hätte es diese wundervollen Bilder in meinem Kopf wieder zerstört – so wie viele andere Ideen, von denen ich geträumt habe, aber nie den Mut hatte, sie weiterzuverfolgen. Dieses Mal aber war alles anders.

Die Entscheidung

Die Vorstellung der wunderschönen und unberührten Landschaft Schwedisch Lapplands ließ mich nicht mehr los. Ganz im Gegenteil – ich bekam die fesselnden Bilder der Wildnis einfach nicht aus dem Kopf. ‚Jetzt reicht es!’, dachte ich. Ich hatte die Nase voll vom Gefühl des Scheiterns und so vieler gebrochener ‚morgen fang ich damit an’-Vorsätze. Dieses Land mit all seiner Wildnis schien mir einen Besuch wert zu sein, aber dafür musste ich zuvor ernsthaft an mir arbeiten. Und so begann ich mit dem Laufen. Am gleichen Abend noch kaufte ich das Flugticket – es gab also keinen Weg mehr zurück. Vor meiner Reise nach Schwedisch Lappland blieben mir etwa zwölf Wochen, um meinen Plan umzusetzen.

Die Laufroutine

Anfangs waren es nur drei Kilometer pro Tag, aber ich steigerte allmählich die Strecke. Ich begann, mich richtig gut zu fühlen. Die Effekte der regelmäßigen körperlichen Bewegung in Kombination mit den Bildern einer perfekten lappländischen Landschaft, trieben mich an. Der Start in den Tag war schon manchmal schwer, wenn ich absolut keine Lust auf eine lange Laufübung hatte, aber das Ultimatum der immer näher rückenden Reise nach Lappland ermutigte mich, die Routine aufrecht zu halten. Nach ein paar Wochen war ich nicht nur über die Distanz, die ich inzwischen laufen konnte, begeistert, sondern auch ganz aufgeregt beim Gedanken an die nahende Reise über den Polarkreis.

Die Reise

Endlich war der Tag gekommen. Es war mitten im italienischen Sommer und die Temperaturen stiegen ins Extreme. Ich packte meinen Rucksack, alle notwendigen Ausrüstungsgegenstände, bequeme Schuhe, eine wasserdichte Jacke und meine Kamera. Mein Flug ging von Venedig nach Stockholm und ich setzte meine Reise mit dem Nachtzug nach Kiruna fort. Ich erinnere mich noch, wie ich auf dem Bahnsteig wartete und andere Reisende beobachtete. Zu meiner Überraschung waren da noch andere Wanderer, die ebenso nach Norden fuhren, um den Kungsleden zu gehen. In einem Zugabteil traf ich ein Rentnerpaar mit leichten Rucksäcken, die mich einen Blick auf ihre Karte werfen ließen und mir ihre Geschichten vom Wanderweg erzählten. Ich fühlte mich ausgezeichnet. Die schwedische Landschaft, die ich durch das Zugfenster sah, war ein wunderbar grüner Einstieg in meinen langersehnten Urlaub.

Die Gruppe der Zugreisenden nahm den Bus von Kiruna nach Nikkaluokta. Und dann, etwas später an diesem Morgen, sah ich es endlich vor mir: Schwedisch Lappland in all seiner Herrlichkeit. Als ich dort stand, am Anfang des Weges und tief durchatmete, spürte ich von Kopf bis Fuß, dass mein Traum endlich wahr wurde. Das Wetter war nicht schlecht und ich begann mit meinem langen Marsch. Ich schaffte mühelos eine Strecke von 17 Kilometern und genoss den Ausblick auf die höchsten Gipfel, welche die Berghütte „Kebnekaise Fjällstation“ umgaben. Die Erschöpfung der Reise und des ersten Tagesmarsches war erträglich und ich war froh, die vorhergegangen Wochen hart an mir gearbeitet zu haben. Ich schlief mit dem Gedanken ein, endlich die Harmonie gefunden zu haben, die ich so lange gesucht hatte.

Kungsleden – Der Königspfad

Die nächsten zehn Tage tauchte ich ein in die Wildnis und Einfachheit. Das Wasser direkt aus dem Bach zu trinken, Holz zu hacken, meine Kleidung zu trocknen, draußen zu essen und alle diese Beschäftigungen ohne Eile zu erledigen, war eine Rückkehr zu den Wurzeln. Harmonie erfüllte meinen Geist und mein Herz. Die Wanderung war großartig! Ich erwachte bei Sonnenaufgang und fühlte mich nicht müde. Ich genoss die atemberaubenden Ausblicke am Morgen und frühen Nachmittag. Das Tal war voll mit lebendigen Herbstfarben und die umliegenden Gipfel waren vom ersten Neuschnee weiß gezuckert. Die Abende in den gemütlichen Holzhütten zusammen mit fröhlichen Menschen waren der nette Abschluss eines jeden Tages. Während ich die Streckenabschnitte des Weges zurücklegte, füllten sich die Worte in meinem Kopf schrittweise mit neuer Bedeutung. Die Stille um mich herum war unvergleichlich. Die Landschaft war so weit und rein, wie ich es mir nie auch nur hätte vorstellen können. Und eine derartige Entspannung, wie nach dem Saunagang, habe ich ebenfalls noch niemals erlebt. Ich war überwältigt davon, wie wenig ich doch eigentlich brauchte, um glücklich zu sein.

Der Marathon

Alle guten Dinge gehen auch einmal zu Ende. Auf dem Heimweg beschloss ich, wieder nach Schwedisch Lappland zurückzukehren, so oft es mir nur möglich war. Die Reise in dieses Land mit seiner dramatischen Landschaft war eine Belohnung für meine Geduld und meinen Willen. Nach meinem ersten Besuch hatte ich genügend Motivation, mein Training fortzusetzen. Die Laufroutine entwickelte sich zu einer umfassenden Vorbereitung für einen Halbmarathon und nachdem ich diesen vollendet hatte, lief ich auch noch zwei Mal einen kompletten Marathon. Seit meinem ersten Besuch in Lappland vor sechs Jahren führe ich einen gesunden Lebensstil und laufe täglich.

Ich glaube, dass wir alle diese mächtigen Wendepunkte in unserem Leben brauchen. Diese Erfahrung half mir, einen gesunden Tagesablauf für mich zu schaffen und eine Harmonie in dem zu finden, was ich tue. Für mich wurde Schwedisch Lappland zu diesem Wendepunkt. Die kraftvolle Erfahrung der reinen Natur, die Einfachheit des Lebens auf dem Pfad und die Outdoor-Bewegung veränderte mich. Ich empfinde es als Privileg, dass ich Schwedisch Lappland besuchen konnte und dass ich durch die Schönheit der Natur den Frieden in mir gefunden habe.

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