Zwei Dörfer mit dem gleichen Namen liegen auf beiden Uferseiten des mächtigen Torneälv. Kukkola ist etwas ganz besonderes und zeigt auf verschiedene Weise, dass das Tornedalen eine eigene Welt ist, voller Geschmack und Erlebnisse.

“Kukkola ist ein Dorf der Karl Gustavs Gemeinde in der Kommune Haparanda, nahe dem Torneälv, nur etwas über zehn Kilometer nördlich von Haparanda entlang der Schnellstraße 99“, wie man auf Wikipedia zu Kukkola lesen kann. Aber in Wahrheit besteht Kukkola aus zwei Dörfern mit dem gleichen Namen, beiderseits des mächtigen Torneälv. Alleine das zeigt schon, dass das Tornedalen eine eigene Welt ist, voller verschiedener Geschmäcker und Erlebnisse. Das in zwei Ländern liegende Gebiet hat seine eigene Kultur und seine eigene Sprache: Meänkieli.

Foto: Carl-Johan Utsi.

Jährlich am ersten Wochenende nach dem Jakobstag (25. Juni) findet in Kukkola ein Felchen-Festival statt. Lachse und Felchen waren hier immer schon ein Grundnahrungsmittel. Fischen stellt für die lokalen Landwirte sowie andere Bewohner ein wichtiges Einkommen dar.

Die schnell fließenden Stromschnellen um Kukkola und ihre relativ geringe Tiefe eignen sich perfekt für eine nahezu einzigartige Angelmethode – den Fang mit dem Kescher. Auf dem Felchen-Festival wird der frisch gefangene Fisch gegrillt und geräuchert sowie anschließend an Gäste verkauft. Frischer geht es wirklich nicht. Gutes Essen hat in Kukkolaforsen (Kukkola-Stromschnellen) einen hohen Stellenwert.

Auf diese Weise Felchen zu fangen, ist natürlich anstrengend und strapaziös. Einen Kescher mit einem sechs Meter langen Stiel im reißenden Wasser mehrere Stunden lang zu handhaben, ist harte Arbeit. Deshalb teilten sich die Dorfbewohner auch in Teams auf, die in Schichten arbeiteten, wenn die Felchen den Fluss hinaufschwammen. Zudem bauten sie hölzerne Stege, sogenannte pator, die sich in den Fluss erstreckten, damit die Fischer leichter mit ihren Keschern herankamen.

Diese Angelweise mit Keschern sowie Pator ist tatsächlich einzigartig und geht zurück auf das Mittelalter. Heute wird sie nur noch im Amazonas und in Schwedisch Lappland betrieben. Am Kukkolaforsen kannst du diese Besonderheit auf einer Kulturführung und im Dorfmuseum erleben.

Wie lässt sich nach einem Tag harter Arbeit, nach stundenlangem Fangen und Säubern von Fisch, am besten entspannen? Tja, mit einer Sauna und kaltem Bier kann man eigentlich nichts falsch machen. Saunieren ist zu einer globalen Bewegung geworden und folgt damit dem weltweiten Spa-Trend. In der Sauna treffen die vier Elemente aufeinander: Erde, Luft, Wasser und Feuer. Dort sind wir alle gleich – als nackte menschliche Wesen. Die Sauna ist einfach ein großartiger Ort für Meetings, zur Entspannung und Gesundheitsförderung.

Foto: Pantheon.

Die schwedische Sauna-Akademie wurde zwar in Jukkasjärvi gegründet, hat aber nun seinen Hauptsitz in Kukkola.

Ihr Motto lautet: „In sauna veritas“, übersetzt „In der Sauna liegt die Wahrheit“.

Am Kukkolaforsen gibt es sogar mehrere Sauna-Arten, wovon die Rauchsauna die wohl außergewöhnlichste Erfahrung und originellste Saunakonstruktion darstellt. Der Rauch desinfiziert die Räumlichkeiten beinahe komplett. Deshalb war dies der Ort, an dem früher Kinder das Licht der Welt erblickten und jene aufgebahrt wurden, die sich auf ihre letzte Reise machten. Auf diese Weise kennzeichnete die Rauchsauna den Beginn und Ende des Lebens, war der zentrale Punkt des menschlichen Daseins. Den meisten Menschen ist wohl eine normale Sauna, die entweder mit einem Sprung in den nächsten Schneehaufen oder in einen reißenden Fluss endet, exotisch genug. Und das stimmt auch.

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Für mehr Informationen, besuche kukkolaforsen.se.

Wenn wir also eine Sauna vom Feinsten erlebt und ein Mittagessen aus gegrillter sowie geräucherter Felche direkt aus dem Fluss genossen haben, so scheint es fast wieder an der Zeit für das Abendessen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mir die Kukkola Tapas mit Felchen, Lachs, Elch und Rentier als Vorspeise schmecken lassen werde. Mein Reisebegleiter ist ebenso überzeugt, dass sein Dessert aus Kaffeekäse mit Moltebeer-Marmelade bestehen wird.

— Aber was sollen wir als Hauptspeise essen?
— Tja, das ist die Frage. Aber da wir im Tornedalen sind, sollten wir vielleicht Dopp i Kopp (Dip in der Tasse) bestellen, meinst du nicht auch?
— Ja, stimmt! Das hast du absolut Recht.

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